Im Urlaub richtig gut zeichnen – 12 Tipps

lesen41. Mit sich selbst konkrete Vereinbarungen treffen

„Ich nehme mir mal Stift und Papier mit, vielleicht komme ich ja zum Zeichnen“, hat noch nie jemand gesagt, bevor er von einer Reise ein volles Skizzenbuch mit nach Hause gebracht hat.
Es gibt immer tausend gute Gründe, warum man dann doch nicht zum Zeichnen gekommen ist.
Das Zeichnen konkret einplanen, wenn man will, dass es „passiert“, ist genauso wichtig wie Fahrradtouren und Museumsbesuche im Voraus zu planen.
„Wann und wo kann ich wie lange zeichnen?“ Diese Fragen muss man sich beantwortet haben, wenn man die Gelegenheiten zum Zeichnen nicht verpassen will.

2. Mit den Mitreisenden konkrete Vereinbarungen treffen

Wenn jemand ungeduldig am Ausgang einer Kirche auf einen wartet, kann man einfach nicht in aller Ruhe die so wundervoll geschnitzte Heiligenfigur zeichnen.
Es ist nur fair seine Mitreisenden vorher darüber zu informieren, dass man an den Orten, die man gemeinsam besucht, zeichnen möchte und dafür zehn Minuten oder eine halbe Stunde oder zwei Stunden benötigt.
Eine konkrete Absprache könnte sich so anhören:
„Ich zeichne hier noch bis halb fünf. Geh´du doch schon mal den Wein fürs Abendessen holen.“
(Es geht doch nichts über eine klare Aufgabenverteilung.)

3. Keine unnötige Materialschlacht

Das Allernötigste ist immer genug. Ein Skizzenbuch und ein Stift können völlig ausreichen und sind ganz sicher ausreichend für den eher noch unerfahrenen Unterwegs-Zeichner.
Noch mehr mitzunehmen, wie Aquarellfarben, zehn Pinsel, fünf Federn und sieben Tintenfässchen, ist nur für denjenigen sinnvoll, der mit all diesen Materialien schon reichlich Erfahrungen gesammelt hat.
Neues, noch unerprobtes Material zum Ausprobieren auf Reisen mitzunehmen, weil man ja sonst keine Zeit dafür hat, ist eine nicht so gute Idee. Wenn man nicht sofort erfreuliche Ergebnisse damit erzielt, tappt man leicht in die Frustfalle und kommt so schnell nicht wieder raus.

4. Das nächstbeste Motiv ist immer das beste Motiv

Wenn man zu lange darüber nachdenkt, was man den jetzt mal schönes zeichnen könnte, gibt man den Zweifeln, die das ganze Unternehmen „unterwegs zeichnen“ soundso von Anfang an abblasen wollten, viel zu viel Zeit überzeugend klingende Argumente vorzubringen.
Und wenn es nur der eigene Schuh ist – mit irgendetwas anfangen und zwar sofort. Das bringt einen zügig und ohne grübelnde Aufschieberei ins Zeichnen.

5. Zeichnen und NUR zeichnen

Wenn man unterwegs zeichnet, zeichnet man….und betrachtet nicht alle fünf Minuten die inzwischen fertigen Arbeiten.
Es ist verführerisch zwischendurch nachzuschauen, was sich schon alles im Skizzenbuch angesammelt hat. Aber wer seine Zeichnungen anschaut, wechselt automatisch in den „Beurteiler“-Modus.
Entweder beurteilt man seine Zeichnungen schlecht, dann will man am liebsten gar nicht mehr weitermachen oder man ist von seinen Zeichnungen begeistert, dann traut man sich an die nächste nicht mehr heran, weil man fürchtet, es noch mal nicht so gut hinkriegen zu können.
Das Anschauen der Zeichnungen hebt man sich am besten für zuhause auf. Dann kann man völlig verblüfft feststellen, wie viel man erlebt hat und wie verdammt gut man zeichnen kann.

6. Ein schöner Rücken kann auch entzücken

Ob auf dem Flughafen oder in der U-Bahn, fremde Menschen zu zeichnen muss man sich erst mal trauen. Dazu gehört schon ein kleines bisschen Mut, zumindest am Anfang.
Es sei ja auch jedem zugestanden, es nicht so toll zu finden, sich von jemandem, der einem gegenüber sitzt und ein Stück Papier vollkritzelt, beobachtet zu fühlen.
Erst mal Menschen nur von hinten zu zeichnen, ist ein guter Anfang. So bekommt man nach und nach ein Gefühl dafür, was man sich als Zeichner traut und wie man es am besten anstellt, unauffällig zu zeichnen, ohne jemandem zu nahe zu treten.

7. Unter der Hand zeichnen

Ein sehr kleines Skizzenbuch, das gut unter eine Serviette passt oder das man, wie zufällig, mit der Hand abdecken kann, gibt einem die Möglichkeit bei Bedarf schnell die Rollen zu wechseln zwischen dem scharfen Beobachter und einem gleichgültig wirkenden Nur-so-in-der-Gegend-Herumschauer.

8. Ein klares Ziel vor Augen

Irgendwo anfangen und dann sehen, wo es weitergeht, geht auch.
Sich aber vor dem Anfangen (schnell!) klar werden, was aufs Blatt soll und was nicht, hilft einem, sich besser zu konzentrieren.
Für kurze Zeit erlaubt man sich, den unübersichtlichen Rest der Welt auszublenden und einfach nichts anderes zu sehen, als seinen selbst gewählten klar abgegrenzten Ausschnitt.

9. Die Augen immer geradeaus

Der seitliche, und damit unter Umständen unauffälligere Blick ist natürlich immer möglich, aber das Zeichnen ist dann schwieriger, weil man das von der Seite Gesehene nicht so ohne weiteres auf das direkt vor einem liegende Papier übertragen kann. Es kommt zu einer verzerrten Wahrnehmung.
Dieses muss einen überhaupt nicht stören. Zeichnen ist, wenn man es trotzdem macht.
Allerdings ist ein Motiv am einfachsten zu erfassen, wenn man sich diesem mehr oder weniger direkt in gerader Linie gegenüber befindet.
Alles, was man mit einem geradeaus gerichteten Blick erfasst, ohne den Kopf zu drehen, kann man auch gut auf ein Blatt Papier übertragen.

10. Zeichnen ist nicht Fotografieren

Der Zeichner kann mit dem Fotografierer nicht mithalten, weder in der Schnelligkeit der Entstehung der Bilder, noch mit der Anzahl. Damit muss der Zeichner sich abfinden. Auch die Motivwahl ist eine andere.
Während es dem Urlaubsfotografierer oft darum geht (oft, aber selbstverständlich nicht immer, bitte schön keine Verallgemeinerungen), Ansichten für Daheimgebliebene zu dokumentieren, geht es dem Zeichner immer nur darum, für sich selbst zu zeichnen.
Späteres Herumzeigen der Zeichnungen ist zwar nicht ausgeschlossen, darf aber niemals der Grund des Zeichnens sein.
An spätere Betrachter gedacht zu haben, ist ganz sicher einer der Hauptgründe, warum auf Reisen dann doch nicht gezeichnet wurde, obwohl man es sich so fest vorgenommen hatte.

11. Noch eine Vereinbarung mit den Mitreisenden

Nein, die Zeichnungen werden, solange man gemeinsam unterwegs ist, nicht gezeigt, auch wenn man noch so inständig darum gebeten wird, und auch, wenn die anderen (Nicht-Zeichner!) das überhaupt nicht verstehen können.
Wer es dennoch tut, ist selbst schuld, wenn ihm a.) das Zeichnen plötzlich keinen Spaß mehr macht, weil er ständig schon die späteren Anschauer und deren vermuteten Vorstellungen von gelungenen Zeichnungen berücksichtigt, und er b.) dann plötzlich findet, dass Zeichnen ja doch immer ein bisschen aufwändig ist und Fotos machen ist ja auch ganz schön.

12. Ansichtskarten kann man kaufen, man muss sie nicht zeichnen

„Ach, das ist ja alles so schön hier, das Panorama, die Berge, das Meer, der Hafen, der Dom.“
Ein reisender Zeichner ist kein gewöhnlicher Tourist und ist deshalb auch nicht mit einem Touristenblick unterwegs.
Der Zeichner, der unterwegs ist, nimmt die Welt wahr, wie sie sich ihm und nur ihm darstellt, wie nur er sie sieht und keiner sonst.
Denn nur weil man im Urlaub ist, muss man keine Ansichtskarten zeichnen.

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Wie haben Sie Ihren eigenen Stil gefunden?- Interview mit Martina Wald, Jazz Colours, Mensile di musica jazz, Aprile 2015

trumpet57Wann hatten Sie sich dazu entschieden, Künstlerin zu werden?

Ich glaube nicht, dass es jemals eine bewusste Entscheidung war. Allerdings kann ich mich an einen ganz bestimmten Moment erinnern, als ich meine Zeichnungen betrachtete – ich war dabei, eine Ausstellung in einem Jazzclub vorzubereiten – dass mir meine Jazz-Zeichnungen sehr gut gefielen. Für diesen kurzen Augenblick war es mir möglich, neben mir zu stehen und sie wie eine Fremde zu sehen, und diese Fremde dachte, wow, die sind wirklich gut.
Mir gelang es, wertzuschätzen was ich tue und seitdem denke ich von mir selbst als eine Künstlerin. Es ist nicht mehr länger eine Bezeichnung, die ich mir von außen anhefte.
Wissen Sie, andere Leute können einem immer wieder erzählen, dass sie deine Arbeiten mögen. Man wird es ihnen niemals glauben oder sie sogar ignorieren, solange man nicht selbst wertzuschätzen weiß, was man tut.

Wie haben Sie sich Ihre künstlerischen Fähigkeiten angeeignet, in einer Schule oder eigenständig?

Wie viele, wenn nicht gar wie alle, wurde ich als Künstlerin geboren, aber ich wurde nicht gefördert und man hat es mir sogar ausgeredet. Das geht vielen so.
Allerdings hat mich die Kunst nie ganz losgelassen und so habe ich Kunstgeschichte studiert, um mit der Kunst wenigstens auf intellektueller Ebene verbunden zu sein. Und wissen Sie was? Ich wurde sehr unglücklich. Eines Tages habe ich mich endlich für eine Zeichenklasse in einer privaten Kunstakademie angemeldet. Von diesem Tag an, begann ich innerlich gesund zu werden. Endlich erlaubte ich mir, das zu tun, wofür ich geschaffen wurde.

Fühlten Sie sich von einem speziellen Künstler inspiriert oder von einer bestimmten Kunstepoche?

Schon immer fühlte ich mich zu der Einfachheit und Ausdruckskraft der Zen-Kunst hingezogen. Ich bewundere, wie viel ein einzelner Strich eines Tuschepinsels aussagen kann. Ich stelle fest, dass ich im Laufe der Zeit bei meinen Zeichnungen immer weniger Linien setze. Ich strebe das nicht bewusst an. Es geschieht einfach.

Warum haben Sie sich für das Zeichnen entschieden und nicht, zum Beispiel, für das Malen oder Bildhauern?

Als ich die Kunstschule besuchte, habe ich eine Weile gebraucht, um zu begreifen, dass ich keine Malerin werden wollte wie alle anderen. Ich musste lernen, dass Farben nicht mein Arbeitsmaterial sind.

Im Allgemeinen wird das Zeichnen der eigentlichen Kunst als untergeordnet angesehen. Ausschließlich zu zeichnen ist eher ungewöhnlich. Ich werde oft gefragt, was ich denn mit meinen Zeichnungen mache. Die Leute glauben, ich müsste noch etwas mit ihnen anfangen, wie richtige Bilder danach malen. Nicht viele können die Ausdruckskraft einer einzelnen Linie wertschätzen, weil wir in unserer Kultur zugeschüttet werden mit farbigen Bildern. Verstehen Sie mich richtig, ich liebe Farben, aber sie sind einfach nicht das Material meines künstlerischen Ausdrucks.
Wie haben Sie Ihren eigenen Stil entwickelt?

Um seinen künstlerischen Stil zu entwickeln, muss man einfach nur tun, was man eben tun muss. Man muss ein starkes Gefühl dafür entwickeln, was man als Künstler wirklich benötigt, damit es einem gut geht. Man muss es tun, ohne sich von den Meinungen anderer Leute ablenken zu lassen. Zum Beispiel musste ich immer wieder darauf beharren, keine Farben zu benutzen, obwohl das die meisten Mitstudenten nicht verstehen konnten. Ich hatte darauf zu bestehen, nicht auf großen Leinwänden zu arbeiten, was ungewöhnlich war, und stattdessen an meinem kleinen Zeichenblock festzuhalten.

Wenn man bereit ist, anderer Leute Erwartungen zu enttäuschen, entwickelt man sehr schnell einen eigenen Stil.

Warum ist bei manchen Zeichnungen eher das Porträt des Musikers ausgearbeitet, bei anderen wiederum eher das Instrument?

Mein Zeichnen begann mit dem Portraitzeichnen und ich liebe es immer noch. Manchmal, während ich einen Musiker zeichne, lasse ich mich von seinem Gesichtsausdruck fesseln und der individuelle Mensch kommt zum Vorschein. Aber grundsätzlich geht es mir bei meinen Zeichnungen um die Musik und nicht um den individuellen Musiker.
Wie haben Sie den Jazz entdeckt und was war daran für Sie anziehend?

Rückblickend ist mein Mann an allem schuld. Er hat mir den Jazz geschenkt. Ich wuchs ohne Musik auf und hatte auch überhaupt kein Gefühl für Musik. Als ich meinen Mann kennenlernte und ich mit ihm Jazzkonzerte besuchte, habe ich zuerst gar nichts verstanden. Dann aber langsam, sehr langsam, begann ich etwas zu hören. Ich lernte zuzuhören und das, was ich hörte zu mögen. Als wir das erste Mal in New York waren, 1989, ist dann der Funke endgültig übergesprungen. Ich weiß gar nicht, was genau passierte, aber seitdem bin ich dem Jazz verfallen. Wenn ich Jazz höre, ist es für mich, als würden die Möbel in meinem Kopf immer wieder umgestellt. Ich kann dann völlig neue Gedanken denken und ich fühle mich erfrischt und energiegeladen.

Wie haben Sie sich entschieden mit dieser Musik zu arbeiten?

Ich muss zugeben, ich langweile mich sehr schnell. Wenn sich etwas nicht bewegt, verliere ich das Interesse. Stillleben zeichnen in der Akademie war die Hölle. Ich wollte schon immer Menschen zeichnen, echte Menschen, keine Fotos oder so. Ich habe nicht viele Leute gefunden, die gewillt waren, mir als Modell zu dienen, also habe ich begonnen, in öffentlichen Räumen zu zeichnen, wie im Zug, bei Vorträgen oder in Cafés. Ich hatte mich daran gewöhnt, immer einen Zeichenblock bei mir zu haben. Der nächste logische Schritt war, auch während der Jazzkonzerte zu zeichnen. Ich habe festgestellt, dass das Zeichnen meine Wahrnehmung für die Musik noch steigert.
Zeichnen Sie auch, wenn Sie zuhause Musik hören oder zeichnen Sie nur bei Konzerten?

Ich zeichne die Musik nur, wenn ich sie in Konzerten live höre, sehe und erlebe. Neulich hat jemand vorgeschlagen, ich könnte doch nach Youtube-Videos zeichnen. Es gibt so viele Videos von Konzerten, da könnte ich doch zeichnen, wann immer ich wollte. Aber das wird nicht geschehen. Ich brauche einfach die lebendige Atmosphäre eines Live Konzertes.

Was ist es genau, was Sie während dieser Konzerte einfangen und abbilden wollen?

Während der Konzerte improvisiere ich mit meinem Zeichenstift. Ich werfe Linien aufs Papier, um die Essenz der Musik und der Musiker einzufangen. Ab einem bestimmten Punkt zeichne ich wie in Trance. Ich halte meinen Blick fest auf den Musiker gerichtet und gleichzeitig mache ich eine schnelle Zeichnung nach der anderen. Während des Musikmachens wird die Verbindung zwischen dem Musiker und seinem Instrument so eng, dass sie miteinander zu verschmelzen scheinen und dadurch ein völlig neues Wesen entsteht. Das ist dann der Moment, in dem Jazz sichtbar wird und auf diese Weise kommt der Jazz in die Zeichnung hinein.

Ich will keine „Fan-Art“ produzieren, durch die Zeichner ihre Bewunderung für einen bestimmten Künstler zum Ausdruck bringen, indem sie deren Porträts zeichnen. Das ist auch eines der Dinge, gegen die ich mich durchsetzen musste, um meinen eigenen Stil zu entwickeln, weil die Leute von jemandem, der Jazzmusiker zeichnet, erwarten, dass dann Musiker mit bekannten Namen zu erkennen sind. Ich werde oft darum gebeten, einen bestimmten Jazzmusiker zu zeichnen und dann erkläre ich, einmal mehr, dass mich das nicht interessiert. Vielmehr interessiert mich der einzigartige Moment der Musik, der durch beide, den Musiker und das Instrument, lebendig wird.

Sie titeln Ihre Zeichnungen nach den dargestellten Instrumenten und einer laufenden Nummer. Das ist ungewöhnlich. Warum das?

Auch hier wieder wurde ich konfrontiert mit der Erwartungshaltung der Leute. Wenn ich sie schon nicht nach den abgebildeten Musikern benenne – und es wären tatsächlich berühmte Namen darunter – könnte ich ihnen dann nicht wenigstens einen phantasievollen Titel geben, anstatt dieser langweiligen Nummern? Einmal hätte ich fast nachgegeben. Das war kurz vor einer Ausstellungseröffnung und ich begann, die Zeichnungen nach den Titeln der Stücke, die während des Zeichnens gespielt worden waren, zu benennen. Aber dann habe ich gemerkt, dass diese Titel von der Zeichnung selbst ablenken. Sie würden sich wie eine zusätzliche Schicht auf die Zeichnung legen. Ich will sie aber so einfach und zugänglich wie möglich haben. Und was ist einfacher, als sie durchzunummerieren. Außerdem habe ich dadurch ein sehr gutes Ablagesystem und ich kann jede Zeichnung jederzeit auffinden.

Allerdings bekommt der größte Teil der Zeichnungen überhaupt keine Nummer. Wenn dem so wäre, wären die Nummern schon vierstellig. Alle paar Monate schaue ich die Zeichnungen durch und wenn mir eine zurück spielt, was ich während des Zeichnens gehört habe, dann wird sie mit einer Nummer sozusagen geadelt. Dann hat sie auch eine gute Chance, öffentlich gezeigt zu werden.

Welche sind Ihre Lieblingsmusiker?

Die Jazzszene ist so reichhaltig, ich könnte mich niemals für einen Lieblingsmusiker entscheiden. Meine Liste der Lieblingsmusiker wird nach jedem Konzert länger.
Spielen Sie ein Instrument?

Ich spiele kein Instrument. Aber manchmal denke ich, dass meine Art des Zeichnens sehr der Improvisation im Jazz ähnelt. Ich antworte diesem einzigartigen Augenblick in diesem Moment auf dem Papier und um das zu tun, benutze ich ebenfalls ein Instrument, meinen Zeichenstift.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Manchmal, wenn ich einen Schritt zurücktrete, kann ich erkennen, dass meine Zeichnungen immer schlichter werden. Ich mag das, aber ich kann es nicht erzwingen. Ich muss einfach weitermachen, immer eine Zeichnung nach der anderen.

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9 doofe Gedanken übers Zeichnen, die wir für wahr halten

rose2741. doofer Gedanke:
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würden mir alle meine Zeichnungen immer gefallen.

Das ist nicht wahr. Manchmal gefällt einem eine Zeichnung sofort nach der Fertigstellung, manchmal nicht. Manchmal gefällt einem eine Zeichnung, mit der man zuerst nichts anfangen konnte, zwei Wochen später ausgesprochen gut und eine Zeichnung, die man zunächst für gut hielt, findet man später langweilig. Das sind alles nur momentane Meinungen. Eine Zeichnung hat ihren Platz innerhalb aller entstehenden Zeichnungen. Manche sind ausdrucksstärker, manche weniger.

2. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würde es mir jederzeit Freude machen.

Das ist nicht wahr. Es ist völlig normal, dass auch die Freude beim Zeichnen bei unterschiedlichen Anlässen und unter unterschiedlichen Umständen nicht immer dieselbe ist.
Manchmal fühlt man sich im Alltag müde und lustlos, manchmal fühlt man sich im Alltag optimistisch und ist voller Tatendrang. Manchmal fühlt man sich eben auch beim Zeichnen müde und lustlos und manchmal fühlt man sich beim Zeichnen optimistisch und ist voller Tatendrang. (That´s life.)

3. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würden alle meine Zeichnungen gut finden.

Das ist nicht wahr. Wenn alle deine Zeichnungen gut finden, zeigst du sie entweder nur deiner Oma und deiner Katze oder du bemühst dich, ausschließlich Zeichnungen zu machen, an denen keiner was zu meckern hat. Aber eigentlich sind alle nur tief beeindruckt von der Mühe, die du dir gemacht hast, um diese Zeichnungen anzufertigen. Erst wenn du Menschen begegnest, die mit deinen Zeichnungen nichts anfangen können, weißt du 1. dass du sie schon ziemlich vielen unterschiedlichen Menschen gezeigt hast und 2. dass nur etwas auf deutliche Ablehnung stößt, dass eine eigenständige und unmissverständliche Position bezieht. Und aus denselben Gründen, aus denen es manchen nicht gefällt, gefällt es anderen wiederum ausgesprochen gut.

4. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, könnte ich alles zeichnen, was von mir erwartet wird…

…wie z.B. das Firmenlogo für die Schneiderei meiner Schwester, die Illustrationen für den Gedichtband des Freundes und die Entwürfe für die neuen Küchenmöbel. Das ist aber nicht wahr. Werbegraphiker, Illustrator und Designer sind eigenständige Ausbildungsberufe, für deren Ausübung man sich Spezialwissen aneignen muss, das mit der Fähigkeit zu zeichnen nichts zu tun hat.

5. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, könnte ich Menschen in allen Positionen und alle Tiere und alle Erscheinungsformen dieser Welt aus dem Kopf zeichnen.

Das ist nicht wahr. Auch erfahrene Zeichner können nicht alles „einfach so“ aufs Papier bringen, dass es so aussieht wie eine perfekte Abbildung von was auch immer. Illustratoren, z.B., die unterschiedliche Themen bearbeiten, orientieren sich an Referenzfotos oder bauen auf früheren Arbeiten auf. Realistisch „aus dem Kopf“ zeichnen kann ohne aufwändige Vorstudien niemand.

6. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, hätte ich schon längst meine ganze Familie porträtiert.

Warum das denn? Jedenfalls ist es nicht wahr. Nur weil einem die Familie das Wichtigste und Liebste ist, heißt das nicht, dass man sie automatisch auch zum Thema seiner Kunst machen muss. Wenn man sich tatsächlich zum Porträtisten berufen fühlt, zeichnet man ohnehin so viele Porträts, dass man für die der Familie keine Zeit hat. Außerdem ist genau dieser Wunsch, geliebte Familienangehörige zu zeichnen, ein Vorwand, um seine Zeit, die man mit Zeichnen verbringt, zu rechtfertigen. Man weiß, dass man mit solchen Porträts bei der Familie (und auch bei sich selbst) am höchsten punkten könnte.

7. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich richtig gut zeichnen könnte, würde ich nie daran zweifeln, dass ich gut zeichnen kann.

Das ist nicht wahr. Das Gefühl zeichnen zu können, ist ein fluktuierendes. Mal fühlt man sich diesbezüglich relativ sicher und dann wieder so unsicher, dass man manchmal nicht weiß, was man mit diesem Stift in der Hand eigentlich anfangen soll.
Nicht nur Künstler, sondern alle Menschen müssen sich immer wieder mit Selbstzweifeln herumschlagen.
Immer dort, wo wir an uns zweifeln, liegt auch unser Schatz begraben. Unsere Zweifel zeigen uns unsere Grenzen auf, die wir dann TROTZ der Zweifel überwinden. Wir zweifeln, wir entscheiden uns zu handeln, wir handeln, wir kommen ein Stück voran und wir zweifeln wieder und immer so weiter.

8. doofer Gedanke
Wenn ich tatsächlich gut zeichnen könnte, würde ich alle auf der Welt bekannten Zeichentechniken beherrschen müssen.

Das ist nicht wahr. Zeichentechniken sind Geschmackssache und je nach Charakter mag man die eine sehr und die andere überhaupt nicht. Der eine mag mit dem Minen-Bleistift ausgeführte exakte Schraffierungen, der andere mit dem Daumen verwischte Schatten. Warum sollte man Zeit verplempern mit etwas, das einem überhaupt nicht liegt? Ausprobieren, ja, das immer, aber sich mit irgendetwas herumquälen? Nein, das macht nicht nur keinen Sinn sondern auch schlechte Laune.

9. doofer Gedanke
Wenn ich richtig gut zeichnen könnte, hätte ich in der Schule in Kunst eine bessere Note gehabt.

Das ist nicht wahr. Haben gute Noten schon jemals mehr über einen Menschen ausgesagt, als in wie weit er sich einem rigiden Schulsystem anpassen kann? Solange es keine grundlegende Reform gibt, müssen wir damit leben, dass wir in unseren Schulen dazu ausgebildet werden, uns zu vergleichen und uns dadurch aneinander anzugleichen. Wer in der Schule aus der Reihe tanzt, bekommt eine schlechte Note. Wer in der Kunst NICHT aus der Reihe tanzt…..der macht sehr wahrscheinlich keine Kunst.

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Siehst du beim Zeichnen eigentlich was du siehst?

Foto von Petra Bachmann, München

Foto von Petra Bachmann, München

Es ist so wichtig, dass du dir glaubst, was du siehst – was du tatsächlich siehst – und nicht nur siehst, was du glaubst zu sehen.

Bei einer Teilnehmerin eines Porträt-Workshops bemerkte ich, dass sie, sobald sie zu zeichnen begann, nachdem sie einen Blick auf das vor ihr sitzende Modell geworfen hatte, die Augen mandelförmig zeichnete.

Sie zeichnete die Augen bei jedem Modell mandelförmig, gleichgültig, ob es ein männliches Modell war oder ein weibliches, gleichgültig, ob die Augen des Modells mandelförmig waren oder nicht. Sie zeichnete immer, geradezu automatisch, einen oberen flachen Bogen und einen unteren flachen Bogen und die Augenlider formte sie ihnen entsprechend nach.

Ich beugte mich zu ihr hinunter und hielt meinen Kopf neben ihren Kopf, um ihre Seh-Position nachzuvollziehen. Dieses Modell, das wir nun beide nahezu von der gleichen Perspektive aus betrachteten, hatte – ja, im Prinzip stimmte es – mandelförmige Augen. Aber: die Bögen der Augen waren weder gleichmäßig gebogen, noch waren sie symmetrisch. Der Scheitelpunkt des Bogens war, zum Beispiel, nicht in der Mitte, und bei beiden Augen unterschiedlich. Die Bögen der Augenlider folgten nicht den Bögen der Augenfassung. Sie waren völlig eigenständige Gebilde aus unterschiedlich ansteigenden und wieder abfallenden gebrochenen Linien, die sich überkreuzten und überlagerten.

Ich streckte den Finger aus und zeichnete damit, den Linien folgend, so wie ich sie sah, in die Luft. „Schau“, sagte ich, „hier steigt die Linie an, dann ist sie für einen Moment ganz flach und dann läuft sie mit einem sanften Schwung nach unten. Siehst du es“, fragte ich, überzeugt davon, dass ich mich ganz klar ausgedrückt hatte. „Weißt du, was ich meine?“

„Nein“, sagte sie, „ich weiß nicht, was du meinst.“

Ich war am Ende mit meinem Latein.

Leider gelang es mir nicht, mich verständlich zu machen und der Zeichnerin zu helfen, ihren Augen zu erlauben, das wahrzunehmen, was sie tatsächlich sahen.

Sie wusste, vom Verstand her, was sie glaubte, sehen zu müssen, aber sie konnte nicht erkennen, was sie mit den Augen hätte sehen können.

Der Verstand sagte ihr, alle Augen sind mandelförmig und deshalb zeichnen wir alle Augen mandelförmig. Ich habe schon so viele Augen gesehen, sagte er, ich weiß wie Augen aussehen.

Das eigentliche Sehen kam nicht am vermeintlichen Wissen des Verstandes vorbei. Ihr Verstand hatte sich ein feststehendes allgemeingültiges Bild von dem Begriff  „Augen“ gemacht und verstellte ihr damit, im wahrsten Sinne des Wortes, den Blick.

Dieses Phänomen war mir damals noch nicht bewusst und ich konnte nicht nachvollziehen, warum sie nicht sehen konnte, was für mich so offensichtlich war.

Wir vertrauen unserem Seh-Sinn und unserer Wahr-Nehmung nicht, weil wir so sehr daran gewöhnt sind, die „Kürzel“ des Verstandes als das eigentliche Bild zu akzeptieren.

Es ist ja auch klasse, dass unser Verstand so schnell und effizient arbeitet, so müssen wir nicht jeden einzelnen Baum, jeden einzelnen Stuhl von neuem mühsam entziffern, um schließlich zu erkennen, was wir vor uns haben. Wir sehen einen Baum und sofort können wir uns jegliches weitere Hinschauen sparen, denn wir haben ihn ja schon längst als solchen identifiziert.

Die größte Herausforderung, der wir uns beim Zeichnen stellen, ist es, das Wissen unseres Verstandes zu umgehen und unmittelbar HIN-zusehen und durch das Gespinst aus abgespeicherten Vor-Urteilen hindurchzusehen.

Wir müssen uns dieses Vorwissen praktisch aus den Augen wischen oder es uns von den Augen nehmen, wie eine beschlagene Brille, damit wir klar sehen, damit wir ganz klar und deutlich erkennen, wie etwas tatsächlich aussieht, OBWOHL wir wissen, was es ist.

Wenn wir zeichnen wollen, müssen wir uns daran gewöhnen, hinter die Bezeichnung zu schauen, hinter den Begriff, mit dem es unser sprachgebundener Verstand identifiziert.

Ein guter Anfang ist gemacht, wenn wir uns dieses Phänomen überhaupt erst mal bewusst machen. Unser Verstand versucht, uns beim Zeichnen mit eingeschränkten Informationen abzuspeisen, weil er es nicht für nötig hält, mehr über ein Motiv zu erfahren, als er wissen muss, um es in irgendeine Gebrauchskategorie einordnen zu können.

Im Folgenden möchte ich dir vier Übungen vorstellen, mit deren Hilfe man aber den Verstand austricksen kann.

Übung 1

Der verschleierte Blick

Betrachte dir etwas, einen Gegenstand oder auch eine Landschaft und dann stell dir vor, so lebhaft wie du nur kannst, dass du einen Schleier vor den Augen hast. Diesen Schleier ziehst du dir mit einer entsprechenden Geste (in echt oder in Gedanken) wie einen Vorhang zur Seite. Dein Blick stellt sich scharf und plötzlich siehst du alles viel deutlicher als vorher.

Wenn du dann noch ein staunendes „Wow“ ausrufst, wird dein Verstand neugierig und er glaubt, es gibt etwas zu sehen, was er noch nie zuvor gesehen hat und von dem er noch gar nichts weiß und er erlaubt dir, viel mehr Details wahrzunehmen, als er dir üblicherweise zugesteht.

 

Übung 2

Die menschliche Kamera

Schließe die Augen, drehe den Kopf um ein paar Grad zur Seite oder nach oben oder nach unten, gerade so viel, dass du ein bisschen die Orientierung verlierst und nicht mehr weißt, was genau vor dir liegt. In dieser Position – verdrehter Kopf mit geschlossenen Augen – öffne die Augen ganz kurz und schließe sie SOFORT wieder, so wie sich die Blende einer Kamera nur für das Sechzigstel einer Sekunde öffnet und sofort wieder verschließt. Nun hast du ein inneres Bild „geknipst“, ohne vorher zu wissen, was dir da vor die Linse kommen wird. Knipse auf diese Weise ganz viele Fotos hintereinander. Nicht zu schnell, aber doch zügig. Bevor du ein neues Bild knipst, nimm das innere Bild ganz kurz wahr und mache dann ein neues.

Also noch mal: die Augen nach jedem Foto geschlossen halten, den Kopf verdrehen, die Augen öffnen und gleich wieder schließen. Mache mindestens zwei Filmrollen voll oder eine Speicherkarte, je nachdem, was dir in deiner Fantasie näher liegt.

Wenn du diese Übung über mehrere Tage hinweg immer für ein paar Minuten machst, wirst du dich daran gewöhnen zu sehen, was es im Moment tatsächlich zu sehen gibt.

Neulich, als wir diese Übung im Workshop gemacht haben, berichtete eine Teilnehmerin, sie habe auf einem ihrer inneren Fotos die Farbe Blau gesehen. Sie wurde sich bewusst, dass ihr Verstand sagte, nein, das kann nicht sein, an dieser Stelle ist kein Blau. Aus irgendeinem Grund, wollte er es nicht wahrhaben und sie war geneigt ihm zu glauben. Als sie es überprüfte, stellte sie fest, dass dieser Gegenstand tatsächlich blaue Stellen aufwies, die der Verstand jedoch als unwichtig abgetan hatte, indem er ihr Vorhandensein einfach leugnete. Nach dieser Erfahrung ist es für die Teilnehmerin nun wichtig, weiterhin ihren unmittelbaren Eindrücken zu vertrauen und nicht auf die Besserwissereien des Verstandes zu hören.

 

Übung 3
Die Laserkanone
Stell dir vor, mit jedem Blick, den du auf etwas wirfst(!), sendest du einen ganz schmalen Laserstrahl aus deinen Augen und dieser Strahl trifft immer nur auf ein ganz winzig kleines Detail von dem, worauf du schaust.
Versuche dir bewusst zu machen, auf welchem winzig kleinen Detail dein Blick tatsächlich gelandet ist. Wenn du deinen Blick auf deinen Schuh geworfen hast, dann hast du nicht zuerst z. B. die Schnalle gesehen. Dieses Detail ist viel zu groß und wurde dir nur von deinem Verstand als das nächst Beste, das er schon kennt, vorgeschlagen.
Nein, dein Blick ist vielleicht auf einen Teil des Schattens gefallen, den die Schnalle aufs Leder darunter wirft oder auf den Lichtsplitter einer Reflexion des Metalls aus dem die Schnalle gemacht ist. Über den Tag, auch wenn du nicht zeichnest, halte immer mal kurz inne und mach dir bewusst, worauf genau im Moment der Strahl deines Blicks tatsächlich getroffen hat.

 

Übung 4
Die eigene Hand wie zum ersten Mal sehen
Schließe deine Hand zu einer Faust, schau darauf und zähle bis drei. Bei drei öffnest du die Faust und dein Blick fällt auf die Handinnenfläche. Wenn du jetzt ganz ehrlich zu dir bist, musst du zugeben, dass dein Blick auf nur eine einzige winzige Stelle gefallen ist und dass du diese Stelle sehr deutlich gesehen hast. Natürlich hast du auch deine gesamte Hand auf einmal gesehen, weil sie sich in ihrer Gesamtheit in deinem Blickfeld befindet. In Wirklichkeit aber hast du nur diese winzige Stelle auf deiner Handinnenfläche ganz genau und deutlich gesehen.
Du musst mit der Erkenntnis, welchen Punkt du deutlich gesehen hast, nicht mehr tun, als dir zu glauben, dass du nicht mehr als diesen gesehen hast. Lass deinen Blick nicht schweifen, um ganz schnell noch etwas Wichtigeres oder Interessanteres zu finden. Auch wenn du glaubst, die Innenfläche deiner Hand naturgemäß sehr gut zu kennen, wirst du jedes Mal, wenn du diesen Vorgang wiederholst, etwas völlig Neues sehen, etwas, was du noch nie zuvor gesehen hast. Und jedes Mal wird es dir völlig unspektakulär vorkommen und du würdest es lieber über-sehen. Bring dir selbst bei, das, was du in diesem Moment siehst, auch in diesem Moment zu akzeptieren.
Gewöhne dich daran, deinem ersten unmittelbaren Seh-Eindruck zu vertrauen und zwar ohne auf deinen Verstand zu hören, der diesen Eindruck sofort als für dich völlig irrelevant abtun will.

Zu Beginn werden dir diese unmittelbaren Seh-Eindrücke als unglaublich unwichtig erscheinen.

DAS soll ich sehen? DAS soll von Bedeutung sein, dieser uninteressante Fleck, diese kaum wahrnehmbare Neigung, diese winzige dunkle Stelle?
Dieses vermeintlich Unwichtige ist jedoch beim Zeichnen das Wichtigste überhaupt, denn es ist dein eigenes, völlig einmaliges Sehen, dem du in diesen blitzartigen Wahrnehmungen begegnest.
Kein Mensch sieht so wie du. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung, seine eigene Wahrheit.
Befreie dich von dem Glauben, dass du zuerst WISSEN musst, was du sehen sollst, um die Zeichnung zu beginnen und du musst auch nicht wissen, wie andere dieses Motiv sehen können. Es zählt nur, was DU siehst.

 

Übe dich darin, deinem Sehen zu vertrauen. Sieh, was du und nur du siehst. Schau hinter die Begriffe und Bezeichnungen, dann können deine Zeichnungen entstehen, die niemand so macht wie du.

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10 Tricks, die deine Zeichnungen beeindruckend machen

  1. Zeichne großzügig.

Sei großzügig mit dir selbst, indem du es dir ersparst, dich mit irgendwelchen Regeln einzuschränken und sei großzügig mit deinen Strichen. Lass sie laufen, lass sie rennen, rufe sie nicht zurück. Lass sie sein wie sie sind und versuche nicht, sie ungeschehen zu machen.

  1. Verändere den Druck deiner Hand während des Zeichnens immer wieder.

Deine Hand will zum Ausdruck (!) bringen, was du siehst und fühlst, manchmal will sie fest drücken, manchmal ganz zart und das alles, während sie eine einzige Linie zieht. Gib deiner Hand die Freiheit, sich ausdrücken zu dürfen. Lass ihr den Spaß.

  1. Zeichne nur einen Teil des Motivs sehr genau.

Den anderen Teil deutest du mit ein paar Strichen nur an. Der Kontrast von „ausgearbeitet“ und „unfertig“ wirkt geheimnisvoll und weckt Interesse. Der Betrachter wird gefordert, die Zeichnung durch seinen eigenen Blick zu ergänzen und zu vollenden.

  1. Zeichne endlich Gesichter.

Der Mensch will den anderen Menschen sehen und zwar nicht den unfehlbaren Menschen auf einer fehlerlosen Zeichnung und das Werk des unfehlbaren Zeichners, sondern den Mitmenschen mit seiner nur allzu menschlichen Fehlerhaftigkeit.

Um das Menschliche an einem Menschen zum Ausdruck zu bringen, braucht es keine perfekte und exakte Zeichnung, sondern einen mitfühlenden Blick und eine liebevolle Hand.

  1. Zeichne alles krumm und schief.

In Wirklichkeit ist alles um uns herum krumm und schief. Wir alle sind krumm und schief, und zwar auf wunderbare Weise. Mach dieses Wunderbare auf deinen Zeichnungen sichtbar.

  1. Platziere deine Motive nicht in die Blattmitte.

Setze es an den Rand und beobachte wie das Motiv plötzlich an Bedeutung gewinnt. Durch seine Gegenwart verdichtet sich die übrige Leere auf dem Papier zu einem fühlbaren Raum, in den der Betrachter mit seinen Augen hineingehen kann.

  1. Schneide dein Motiv an.

Nein, nicht wie einen Kuchen, aber so ähnlich. Wenn du nur einen Teil deines Motivs sichtbar werden lässt und ein anderer Teil bleibt über den Rand des Papiers hinausweisend unsichtbar, macht das neugierig. Das lässt eine große Nähe entstehen, der man sich kaum entziehen kann.

  1. Zeichne schneller als du denken kannst.

Deine Gedanken sind es gewohnt, dich wortreich in deine Schranken zu verweisen, damit du ja nichts tust, was deinem Verstand unbekannt ist. Hör nicht auf deine Gedanken. Laufe ihnen zeichnend davon. Verlasse dich ausschließlich auf deinen Blick, dem deine Hand blind vertraut. Diese beiden verstehen sich wortlos.

  1. Schau beim Zeichnen nicht auf´s Papier.

Sei von deinem Motiv so hingerissen, dass du deinen Blick nicht von ihm lösen willst. Und das musst du auch nicht. Du wirst staunen, wie dein bloßes Staunen völlig ausreicht, um Erstaunliches entstehen zu lassen.

  1. Vergiss diesen Blödsinn, beeindrucken zu wollen. Wer sich darum bemüht, beeindrucken zu wollen, der beeindruckt am Ende mit nicht mehr, als mit seiner aufgewendeten Mühe.

Bleib du einfach nur beeindruckt von deiner Welt, bring dies zum Ausdruck und bleibe unbeeindruckt von deinen Zeichnungen.

Allerdings wirst du es dann nicht verhindern können, dass andere deine Zeichnungen beeindruckend finden.

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Antworten aus über 4 Jahren „25 Tipps wie man richtig gut zeichnet“, Folge 5

Im Herbst 2011 habe ich die „25 Tipps wie man richtig gut zeichnet“ veröffentlicht und dieser Artikel ist seither der meist gelesene und kommentierte Text dieser Webseite. Inklusive meiner Antworten haben sich inzwischen 149 Kommentare dort zusammengefunden. Manchmal sind es Fragen, manchmal Erfahrungsberichte, manchmal schreiben erfahrene Zeichner, manchmal sogenannte „Anfänger“ und manchmal auch Kinder. Ich glaube, vieler dieser Texte können auch für andere Zeichner von großem Interesse sein.

Da sie aber unterhalb der „25 Tipps wie man richtig gut zeichnet“ stehen und in dieser langen Abfolge von Kommentaren versteckt sind, vermute ich, werden sie von anderen Besuchern dieser Webseite gar nicht so oft gefunden und gelesen.

Hallo Martina,
sehr viele gute Tipps, danke dafür. Wie lernt man eigentlich so zu zeichnen wie diese Zeichner hier?: Dirk Dzimirsky, Lee West, Brian Duey, …? Da träume ich noch von ;-(

Antwort:

Diese Frage beantworte ich Dir sehr gerne.
Ohne diese Zeichner zu kennen, sage ich dir: gar nicht! Du wirst nie lernen so zu zeichnen wie diese Zeichner oder irgendwelche anderen.
Zum Glück kannst du nur so zeichnen wie DU zeichnest, denn die Welt braucht DEINE Zeichnungen. Die, der von dir genannten Zeichnern gibt es ja schon.
Deshalb: höre auf zu träumen und beginne mit DEINEM Zeichnen. Während du mit dem Zeichnen Zeichenerfahrungen sammelst, wird sich Dein eigenes Zeichnen immer mehr herauskristallisieren.
Aber…wenn du nicht zeichnest, betrachte die Zeichnungen von Zeichnern, die du bewunderst und liebst. Studiere sie genau, verzehre sie mit deiner Seele, trinke sie mit deinen Augen. Nicht, um diese Zeichnungen nachzumachen, sondern um ihre Energie in dir aufzunehmen. Alles, was dir gefällt und was dich ruft, alles, was deine Seele unmittelbar anspricht, vermittelt dir die Kraft, der Zeichner zu werden, der zu sein du bestimmt bist.